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Getroffene Hunde bellen

Warum „nichts sagen“- vor allem in kritischen Kommunikationssituationen - mehr sagt als man sagen will, zeigt der Landtagsabgeordnete Klaus Kaiser von der CDU in einem „Dialog“ mit einem Journalisten.

Report Mainz vom 7.3.2017. Es geht im Bericht um mögliche verfassungswidrige Zulagen von Abgeordneten. Der Bericht beginnt ungewöhnlich. Gleich das erste Bild zeigt, wie der Report Mainz Redakteur mit dem Mikrofon in der Hand den CDU Landtagsabgeordneten Klaus Kaiser anspricht. „Hallo Herr Kaiser, mein Name ist Achim Reinhardt von Report Mainz...“ Netter Tonfall, freundliche Ansprache - der Abgeordnete Kaiser wendet sich lächelnd dem Reporter zu, wittert sichtlich die Chance, ein Statement abzugeben. Doch dann kommt, womit Herr Kaiser nicht gerechnet hat: „… ich hätte nochmal eine Frage zu den Fraktionszulagen. Sie kriegen ja eine Zulage von der Fraktion, in welcher Höhe denn?“ Schon während der Frage klappt dem Abgeordneten die Kinnlade herunter und er dreht sich weg, den Rücken zur Kamera, während der Reporter freundlich, aber bestimmt weiterfragt: „Warum wollen Sie das denn nicht sagen, wie hoch die Höhe ist?“. Herr Kaiser schweigt und beginnt, sich mit einem Parteikollegen zu unterhalten.

Schnitt. Der Beitrag läuft weiter. Klaus Kaiser wird portraitiert, sein monatliches Einkommen dargestellt und erwähnt, dass er außerdem Zuzahlungen erhält, über die er sich nicht äußern will.

Schnitt: Klaus Kaiser versucht, den lästigen Reporter los zu werden, beendet das Gespräch mit dem Parteikollegen und will flüchten. Doch Reporter Achim Reinhardt folgt ihm. „Nochmal die Frage, Herr Kaiser, nach Ihrer Funktionszulage, wie hoch ist die denn?“. Jetzt dreht sich Klaus Kaiser wütend um und schreit den Redakteur an und zeigt drohend Richtung Linse: „Machen Sie das Ding aus!“ Die Szene läuft weiter. Man sieht Klaus Kaiser mit bösem Blick weiterlaufen. Der Sprecher des Beitrags kommentiert: „Geheimnis-Krämerei um Boni aus Steuergeld?“.

Der Beitrag beinhaltet noch viele weitere entlarvende Nicht-Kommentare von Politikern aller Couleur zum Thema Funktionszulage. Sie alle machen keine gute Figur, hinterlassen aber keinen so bleibenden Eindruck bei uns Zuschauern wie Klaus Kaiser.

Klaus Kaiser hat sich provozieren lassen. Zu stark die Geste der Getroffenheit, der Überraschung, zu heftig der Angriff auf den Reporter, mit dem wir als Zuschauer längst eine Allianz gebildet haben.

Die Rechnung des Reporters ist aufgegangen: Dem Hund mal einen Tritt verpassen und schauen, was passiert. Denn getroffene Hunde bellen und zwar laut.

Was hätte Herr Kaiser besser machen können? Am besten drei Regeln beachten:

  1. Man kann nicht nicht kommunizieren (Paul Watzlawick). Non verbale Kommunikation sagt oft mehr als 1000 gesprochene Worte, abwehrende Gesten und böse Blicke gehören dazu. Und vor allem sollte man sich davor hüten, nichts zu sagen, wenn man im ersten Moment bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert hat. Denn wenn man nicht selbst etwas sagt, wird etwas über einen gesagt.
     
  2. Impulskontrolle üben, denn man weiß nie, wo und in welchem Zusammenhang solche Aufnahmen verwendet werden. Der sichtbare „Angriff“ auf „die Medien“ ist genau das, was investigative Journalisten provozieren und Zuschauer sehen wollen: Ein nonverbales Geständnis.

    Natürlich muss – nein sollte man in einer solchen Situation kein künstliches Zahnpasta-Lächeln auflegen, denn weglächeln lassen sich solche kritischen Themen definitiv nicht. Aber wenigstens im respektablen Dialog bleiben. Drohungen, Angriffe, beleidigtes, wütendes Flüchten wird seitens der Medien gern mit passenden Kommentaren versehen und lässt den Befragten als „Täter“ erscheinen. Besonders dann, wenn der Redakteur die freundliche Fragestellung glänzend beherrscht.
     

  3. Und schließlich wäre es sinnvoll, Verständnis für die Frage des Journalisten zu signalisieren und ggf. im Allgemeinen auf das Thema zu antworten. Christian Lindner von der FDP - ebenfalls im Beitrag befragt - macht es vor, wie das geht: Er hebt das Thema zunächst einmal auf eine andere Ebene und spricht zum Thema Fraktionszulage einfach darüber, was seine Sicht zum Thema leistungsgerechte Vergütung im ALLGEMEINEN ist. „Ich halte es absolut für angemessen, dass zusätzliche Verantwortung auch zusätzlich vergütet wird. Das ist bei jedem Bürgermeister so…“ Natürlich ist auch das eine Flucht vor der konkreten Antwort, aber wesentlich charmanter gelöst und vor allem, ohne sein Gesicht zu verlieren und ohne damit negativ im Gedächtnis zu bleiben.

Hier finden Sie den Ausschnitt aus der Sendung.

Dialog & Perspektive Handwerk 2025

Stuttgart, 30.1.2017 - Wie ist das Handwerk in Baden-Württemberg aufgestellt, welchen Herausforderungen muss es sich künftig stellen und wie lassen sich diese Herausforderungen am besten meistern? Spannende Fragen, auf die das Startegie-Projekt "Dialog & Perspektive Handwerk 2025" Antworten geben will. In knapp einem Jahr haben die Projektpartner - der Baden-Württmbergische Handwerkstag und das Wirtschaftsministerium des Landes - das komplexe Projekt ins Leben gerufen, umgesetzt und ausgewertet. Im Haus der Wirtschaft werden jetzt die Ergebnisse veröffentlicht und über die Handlungsfelder sowie die nächsten Schritte in die Zukunft des Handwerks gesprochen. Kathrin Adamski moderiert die Veranstaltung und lässt sich von Rainer Reichhold - dem Präsidenten des Baden-Württembergischen Handwerkstages-  und der Wirtschftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut die Hintergründe des Projektes erklären. In einem Panel werden außerdem die Ergebnisse aus dem Projekt erläutert und über die Handlungsfelder diskutiert, die die Betriebe, die Handwerksorganisation, aber auch die Politik gemeinsam angehen muss. Neben den Projektinitiatoren mit in der Runde: Trendforscher Peter Wippermann, Alfred Kolb, Geschäftfsführer der Bauunternehmung Kolb aus Heubach und Prof. Dr. Birgit Ester, Leiterin des Institut für Technik und Betriebsführung im Deutschen Handwerksinstitut, die das Projekt in der Umsetzung und Evaluation mit betreut hat.

Ein herzliches Dankeschön an Fotograf KD Busch, der die Impressionen des Tages festgehalten hat.

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